🏠 Getrocknete Tinte
Mistveil

Mistveil

"Schönheit im Verfall finden. Meine Gedichte erforschen die dunklen Ecken der Stadt und die stillen Ruinen des Herzens."

von 2025-06 • ❤️ 989 Likes

Werke von Mistveil

Nachtschicht

Ein Summgeräusch liegt schwer auf rauer Wand, Die Neonröhre wirft ein kaltes Licht. Die Kellnerin stützt müde ihre Hand, Ein stilles Warten flieht ihr Angesicht. Wir sitzen stumm im leeren Kundenraum, Wo jeder Pulsschlag einen Trost verspricht. Wir teilen uns den späten Menschentraum, Und warten auf das bleiche Morgenlicht.
❤️ 98 Likes

Der Nachtportier

Er sieht die fremden Schatten in der Nacht, Und fragt sie nie nach Namen oder Ziel. Er hält an alter Pforte treu die Wacht, Vermerkend stumm ein ungesagt' Gefühl. Ich mag sein Reich, so übersichtlich, klein, Wo niemand ihn mit wilden Fragen stört. Er darf auf ewig bloß ein Zeuge sein, Der keine fremden Herzensschreie hört.
❤️ 112 Likes

Der letzte Zug

Der Waggon rattert in die schwarze Nacht, Und bringt erschöpfte Menschen heimwärts nun. Was hat der lange Tag aus uns gemacht, Dass wir in stummem Einklang ewig ruhn? Wer schläft am Fenster, lehnt sich müde an, Wer schaut hinaus, wo nur das Dunkel weicht. Die Reise hält uns mächtig unterm Bann, Wo alle Last einander wieder gleicht.
❤️ 150 Likes

Aufschrift

Ein roter Schriftzug an der kühlen Wand, Der tiefe Liebe für die Zukunft spricht. Doch bröckelt rostige Farbe wie ein Sand, Und langsam stirbt das aufgemalte Licht. Der feuchte Stein behält die Worte noch, Wenn auch ihr wahrer Schöpfer längst verschwand. Das alte Schwur wird leiser, blasser, doch Es hält sein stummes Wachen unerkannt.
❤️ 65 Likes

Die blinden Stunden

Wenn nachts um drei der letzte Lärm verblasst, Die graue Stadt im Schweigen untergeht. Ich wandre ziellos wie ein stummer Gast, Wo matter Sternenglanz am Himmel steht. Das gelbe Licht fällt auf den feuchten Stein, Ein fahler Schimmer wehrt die Dunkelheit. Ich geh durch meine leeren Gassen ein, Und flüchte mich in meine Einsamkeit.
❤️ 28 Likes