"Schönheit im Verfall finden. Meine Gedichte erforschen die dunklen Ecken der Stadt und die stillen Ruinen des Herzens."
von 2025-06 • ❤️ 989 Likes
Werke von Mistveil
Nachtschicht
Ein Summgeräusch liegt schwer auf rauer Wand,
Die Neonröhre wirft ein kaltes Licht.
Die Kellnerin stützt müde ihre Hand,
Ein stilles Warten flieht ihr Angesicht.
Wir sitzen stumm im leeren Kundenraum,
Wo jeder Pulsschlag einen Trost verspricht.
Wir teilen uns den späten Menschentraum,
Und warten auf das bleiche Morgenlicht.
"genau dieses nachtschicht-feeling getroffen. die neonröhre und die müde kellnerin sagen einfach mehr als jedes gespräch."
Der Nachtportier
Er sieht die fremden Schatten in der Nacht,
Und fragt sie nie nach Namen oder Ziel.
Er hält an alter Pforte treu die Wacht,
Vermerkend stumm ein ungesagt' Gefühl.
Ich mag sein Reich, so übersichtlich, klein,
Wo niemand ihn mit wilden Fragen stört.
Er darf auf ewig bloß ein Zeuge sein,
Der keine fremden Herzensschreie hört.
"wie hast du es geschafft, dass der nachtportier fast schon beneidenswert klingt? in seinem kleinen reich ohne fragen. unerwartet hart getroffen."
Der letzte Zug
Der Waggon rattert in die schwarze Nacht,
Und bringt erschöpfte Menschen heimwärts nun.
Was hat der lange Tag aus uns gemacht,
Dass wir in stummem Einklang ewig ruhn?
Wer schläft am Fenster, lehnt sich müde an,
Wer schaut hinaus, wo nur das Dunkel weicht.
Die Reise hält uns mächtig unterm Bann,
Wo alle Last einander wieder gleicht.
"fühlt sich richtig schwer an, dieser letzte zug. 'wer schläft am fenster'... jedes bild hat seinen platz. einfach perfekt."
Aufschrift
Ein roter Schriftzug an der kühlen Wand,
Der tiefe Liebe für die Zukunft spricht.
Doch bröckelt rostige Farbe wie ein Sand,
Und langsam stirbt das aufgemalte Licht.
Der feuchte Stein behält die Worte noch,
Wenn auch ihr wahrer Schöpfer längst verschwand.
Das alte Schwur wird leiser, blasser, doch
Es hält sein stummes Wachen unerkannt.
"muss bei sowas voll an all die rote aufschriften an wänden denken, die an orten langsam zerfallen. so melancholisch."
Die blinden Stunden
Wenn nachts um drei der letzte Lärm verblasst,
Die graue Stadt im Schweigen untergeht.
Ich wandre ziellos wie ein stummer Gast,
Wo matter Sternenglanz am Himmel steht.
Das gelbe Licht fällt auf den feuchten Stein,
Ein fahler Schimmer wehrt die Dunkelheit.
Ich geh durch meine leeren Gassen ein,
Und flüchte mich in meine Einsamkeit.
"ehrlich gesagt ein meisterwerk. wie diese blinden stunden sich anfühlen?? das ist wahre insomnia-solidarität."
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Gloaming von:
"genau dieses nachtschicht-feeling getroffen. die neonröhre und die müde kellnerin sagen einfach mehr als jedes gespräch."